Die Nobelgranaten

Sie waren teuer. Sie hatten sechs Zylinder. Der stärkste von ihnen, der Favorit 12 S, knackte die 100-PS-Grenze. Er war das Flaggschiff der 1970 vorgestellten Fendt-Sechszylinder. 195 Exemplare wurden gebaut. Peter Böhlke

 
KarlGustav“ wollte es einmal genau wissen. Ob der Fendt 12 SA versteckte Macken habe, fragte er im Forum von „landtreff.de“. Er schrieb, mit seinem Fendt 231 GT sei er ganz zufrieden. Aber manchmal täte ihm der Geräteträger schon leid, bei der Arbeit im Holz. Nun sei ihm ein 12 SA, Baujahr 71, angeboten worden. „KarlGustav“ erhielt keine Antwort – die Reaktion fiel ganz anders aus: Kaufen! Oder sofort die Adresse des Anbieters herausrücken! So lauteten – salopp zusammengefasst – die Erwiderungen der Forumsbenutzer. Statt Hinweisen auf chronische oder bauartbedingte Mängel gab es nur Lorbeeren für jenes High­end-Produkt aus Marktoberdorf.

Für ihren Hochgesang auf das damalige Flaggschiff von Fendt hatten die Forumsbenutzer gute Gründe. Sie reichten vom elitären Status des Besitzers einer derartigen Rarität über die Fendt’sche Qualitätsarbeit bis zu den technischen Superlativen der Motor-, Zug- und Anfahrleistung.

Durchbruch: über 100 PS
Der 12 S war Anfang der 70er-Jahre der stärkste Schlepper im Fendt-Programm. Mit ihm durchbrachen die Marktoberdorfer die 100-PS-Marke. Er war auch „hinten“ am stärksten, mit zwei Zusatzzylindern für die Hydraulik. 195 Exemplare verließen das Werk.

Vier Jahrzehnte ist es her, dass der 12 S zwei Sommer lang das Flaggschiff der Fendt-Flotte war. Seine kleineren Brüder waren der 10 S und der 11 S, denen der ­
4 S den Weg bereitet hatte. Die technischen Bezeichnungen lauteten FW 18- bzw. FWA 18-, wobei sich die durch das „A“ gekennzeichneten Allradausführungen größerer Beliebtheit erfreuten. Den 12 S (FWA 183) gab es nur mit Allradantrieb. Sechszylinder-Reihenmotoren von MWM hatten alle. Jene Motorenart, die gemäß „Dubbels Taschenbuch für den Maschinenbau“ frei von Kräften und Momenten erster und zweiter Ordnung ist – auf gut deutsch: Sechszylinder glänzen im Vergleich zu Vierzylindern prinzipiell mit ruhigem und vibrationsamem Lauf. Die MWM-Sechszylinder D 226-6 (im 12 S) und D 225-6 (im 10 S und im 11 S) sind Direkteinspritzer.

Seiten

Fendt Favorit 12 S und die frühen Fendt-Sechszylinder
Weitere Themen aus dieser Rubrik

Braunes Ackergold

Alte Landtechnik im praktischen Einsatz, das lässt das Herz eines Traktor-Enthusiasten höher schlagen! Diesmal sind wir bei einer typischen Frühjahrsarbeit des Bauern... mehr >

Star der ersten Stunde

Ein Allgaier System Porsche AP 17 ist ja an sich schon etwas Besonderes. Dieses Exemplar jedoch trägt ein zusätzliches Sahnehäubchen: Es lief am ersten Tag der... mehr >

Schön, blau und stark

Ein Vierzylindermotor eigener Konstruktion und der ZF-Getriebebaukasten machten es möglich: Anfang 1964 krönte der 60 PS starke EA 600 – besser bekannt als „Mammut... mehr >

Mehr zum Thema