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Abklebearbeiten
Dabei bot es sich an, die Kotflügel jeweils paarweise zunächst von innen und anschließend von außen zu lackieren. Die Motorhaube klebte er aufgrund ihrer vergleichsweise komplizierten Form bei der äußeren Lackierung an sämtlichen Öffnungen ab, um zu verhindern, dass ihre nunmehr vorbildlich glatte Oberfläche durch ­Farbnebel beeinträchtigt wird.
Die demontierten Zierleisten waren glücklicherweise komplett vorhanden und ließen sich mit Hilfe von Politur und Schleifmob in einen neuwertigen Zustand versetzen. Eine Ersatzbeschaffung wäre im Fall der Fälle durchaus möglich gewesen, doch gilt es dabei ähnlich wie bei der Motorhaube, stets auf die passende, dem jeweiligen Baujahr entsprechende Form zu achten.
Erhalten blieb auch das Eignungszeichen des Forsttechnischen Prüfungsausschusses, welches schon die Vorgängermodelle des Super 950 V nach einer erfolgreichen Praxiserprobung als „Waldarbeiter“ stolz auf ihrer Motorhaube tragen durften. Die im Laufe der Jahre leicht verwitterte Plakette wurde komplett ihrer Farbe entledigt und anschließend mit grünem Decklack überzogen, den Jörg wiederum flächig abschliff, sodass gemäß des Originals nur noch die versenkte Schrift inklusive der stilisierten Eichel grün gefärbt war.

Arbeit an den Nervensträngen
Während Peter den roten Teilen ihren letzten Schliff verlieh, beschäftigte Jörg sich mit der Komplettierung des Rumpfes und ließ sich von Rainer bei der Instandsetzung der Elektrik helfen.
Als Vorlage dienten dabei der Stromlaufplan aus der Betriebsanleitung sowie Fotos des originalen Kabelstranges, doch nahmen die beiden Restauratoren auch Ideen zur Verfeinerung der Anlage wahr. So wurden sämtliche Leitungen geschützt in schwarzen Schrumpfschläuchen untergebracht und deren Längen im Interesse einer sauberen Verlegung direkt am Schlepper angepasst.
Mitte Mai 2008 durfte der Schlüter mit installierten Sitzgelegenheiten und hinteren Kotflügeln unter Beweis stellen, dass er das Laufen nicht verlernt hat, und einen Monat später erlebte er nach Anbau der letzten Blechteile wie Motorhaube, Tankverkleidung und Vorderradkotflügel sein  endgültiges „Rollout“. Inzwischen hatte Jörg auch zwei der einst als nützliches, heute eher als optisch eindrucksvolles Zubehör begehrten, bananenförmigen Frontgewichte auftreiben können ...

Kleines Insekt, große Wirkung
Und doch wurde der optische Eindruck empfindlich gestört – von einer winzigen Kleinigkeit: Eine Mücke hatte sich offensichtlich in die Lackierkabine verirrt und ihre Notlandung in der noch frischen Lackschicht der Tankverkleidung mit dem Leben bezahlt (S. 66, Bild o.). Nun musste sie von Peter aus ihrer letzten Ruhestätte befreit werden, der im Gegensatz zum Kleinstlebewesen immerhin das akkurate Farbkleid des Schleppers retten konnte. Gut gelaunt fuhr Jörg im Juli 2008 zum Land- und Dampfmaschinentreffen nach Omersbach und kehrte in noch besserer Gemütslage zurück. Auf eben jener Veranstaltung hatte der Hessische Rundfunk Episoden zum Film „Deutsche Traktor-Legenden“ gedreht und dafür unter anderem den frisch restaurierten Super 950 V als Objekt der Begierde auserkoren. Einen besseren Lohn für die gut 1.500 Arbeitsstunden und eine größere Motivation für alle gerade ein „Tal der Tränen“ durchschreitenden Restauratoren kann man sich kaum vorstellen.
Klaus Tietgens
 

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