Der kleine Riese

Der F 12 war in den 50er-Jahren zweitkleinster und bestverkaufter Schlepper von Fendt. Wir stellen die luftgekühlte Variante vor. Text: P. Böhlke

Bernd Langheinrich wäre es lieber gewesen, wenn es keinen Anlass zum Schlepperkauf gegeben hätte. Dann wären die letzten Jahre anders verlaufen. Ohne Herzinfarkt, ohne OP und ohne sieben Krankenhausaufenthalte. Danach kaufte er sich den Fendt F 12 HL, weil er etwas brauchte, woran er arbeiten konnte. „Einen Schlepper hatte ich noch nie, und einen Metallberuf habe ich auch nicht gelernt“, sagt der Rekonvaleszent.

Sein Leben lang war er beschäftigt gewesen. Mit 18 Jahren als Stellwerksmeister bei der Deutschen Reichsbahn, nach einem ­unverschuldeten Unfall mit dem Studium zum Diplom-Verwaltungswirt, anschließend in leitender Position bei einer Wohnungsbaugenossenschaft, als Anzeigenleiter bei der Sachsenpost und wieder als Geschäftsführer im Wohnungsbau. Und dann, ganz plötzlich, das Herz.

„Ich konnte nichts mehr machen, keine schweren Gewichte heben, keine Treppe steigen“, erinnert sich der 67-Jährige. Aber sitzend konnte er arbeiten. Auf einem zerschlissenen Bürostuhl auf Rollen: „Mit dem bin ich durch die Garage gerollt, rund um den F 12 HL, von einer Baustelle zur nächsten.“ Deren gab es reichlich. Erfreulicherweise lagen sie auf Bürostuhlhöhe. Konstruktiv bedingt, gewissermaßen.

Von allen Fendt-Schleppern ist der F 12 HL – nach dem seltenen 10/12-PS-Zweitakter FL 114 – der zweitkleinste gewesen. An der Motorhaube 1,22 Meter hoch, am Lenkrad 1,50 Meter. Im Stehen brauchte Bernd Langheinrich nur selten zu arbeiten.

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Der F 12 in den 50er-Jahren
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