Der kleine Riese

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Den F 12 HL hatte der Kirchberger Forsthausbesitzer bei Ebay geortet. Am Bieten beteiligte er sich nicht. Der Preis war zu hoch. Erst nachdem der Schlepper den Schritt um Schritt heruntergesetzten Mindestpreis immer wieder verfehlte, setzte sich der Ruheständler mit dem Verkäufer direkt in Verbindung. Die Vorbesitzer – junge Leute – hatten den F 12 HL wohl als SUV- oder Funcar-Ersatz gefahren, aber nie gepflegt. Der Schlepper war ziemlich heruntergewirtschaftet. Anlasser kaputt, Batterie weg, Elektrik defekt, die Motorhaube von innen verrußt und verölt. Letzteres war eine Folge des durchgebrannten Auspuffkrümmers und der leckenden Motordichtungen. Natürlich ahnte Bernd Langheinrich, dass da noch mehr kommen würde. Aber die Substanz war gut und alle wesentlichen Teile waren vorhanden. Sie würden zumindest als Muster beim Nachfertigen herhalten können. Zum Besichtigen hatte Bernd Langheinrich einen Motorschlosser mitgenommen. Der riet zum Kauf: „Den Schlepper kriegen wir hin!“

Zwei Versionen
Den Kleinschlepper F 12 lieferte Fendt in zwei Versionen, mit wassergekühltem und mit luftgekühltem Motor. Anfang der 50er-Jahre hatten sich die Hersteller einen Wettlauf geliefert um die Serienfähigkeit des ersten luftgekühlten Schleppermotors. Das Rennen gewann Eicher. Auch Fendts Motorenlieferant MWM, nach dem Krieg mit wassergekühlten Schleppermotoren gut im ­Geschäft, konnte nicht länger zurückstehen und bot ab 1953 beide Kühlungsarten an. Die Nachfrage nach Luftgekühlten war einfach zu groß. In Marktoberdorf zögerte man nicht lange, dem seit 1952 produzierten Dieselross F 12 GH mit Wasserkühlung ein Jahr später den F 12 HL mit Luftkühlung zur Seite zu stellen. Ein Konzept, das aufging – das Schlepperpaar wurde zum Bestseller. Fendt hatte über 15.000 Einheiten beider Typen verkauft, als deren Fertigung 1958 auslief.

Nach anfänglichem Zögern erkannten die Landwirte die Vorteile luftgekühlter Motoren. Sie brauchten bei Minusgraden kein Kühlwasser mehr abzulassen, wenn sie den Schlepper am Abend abstellten, und am nächsten Morgen kein Wasser mehr aufzufüllen. Früher hatten sie das gemacht, weil unter der Volumenvergrößerung einfrierenden Wassers der Kühler oder gar der Motorblock platzen konnten. Wer gerade vom Ackergaul aufs Dieselross umgestiegen war, vergaß das schon mal. Der Fahrer eskalierte den Schaden, wenn er mit gefrorenem Kühlwasser und leckendem Kühler startete und losfuhr.

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Der F 12 in den 50er-Jahren
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