Rassiges Rundstück

Ende der 1950er-Jahre erlebte der Porsche-Diesel Junior eine ­kurze, aber ­intensive Blüte. Großer Name und schönes Antlitz ­bescheren ihm bis heute eine treue Fangemeinde.

Die 1950er-Jahre brachten nicht nur automobile Knutschkugeln und Keksdosen wie die BMW Isetta, den Fiat 500 und den Mini hervor, sie waren auch die Blütezeit nicht minder niedlicher Kleinschlepper. In dieses Bild fügt sich der Porsche-Diesel Junior vortrefflich ein: Treuherzig blickt er aus seinen großen Stielaugen in die Welt, vorwitzig reckt er sein rundes Gesicht in den Wind. Mit seiner knuddeligen Gestalt weckt der Junior unweigerlich Beschützerinstinkte.

Der schöne Schein
Wie viele Erstbesitzer den kleinen Porsche einst als liebenswertes Familienmitglied betrachteten, ist nicht überliefert. Dass sein ansprechendes Erscheinungsbild den einen oder anderen Kunden zum örtlichen Händler lockte, ist zumindest denkbar. Die glattflächige Außenhaut wird dem Porsche-Hausdesigner Erwin Komenda zugeschrieben, der unter anderem für den VW Käfer und den Porsche 356 verantwortlich zeichnete.

Eine stilistische Ähnlichkeit lässt sich zumindest nicht leugnen. Fest steht aber auch, dass es sich damals kaum ein Käufer leisten konnte, dem kleinen Ackerschlepper ein Leben im Luxus zu ermög­lichen. Am ihm hing schließlich die ­Existenz der bäuerlichen Betriebe, entsprechend hart musste er schuften. So traten die inneren Werte schnell in den Vordergrund. Stimmen musste auch der Gegenwert, den der Schlepper für das sauer verdiente Geld bot.

Hier begann daher manche Freundschaft zwischen Junior und Herrchen, denn bereits bei seinem Debüt im Oktober 1957 zählte der kleine Porsche zu den preisgünstigsten Vierradschleppern auf dem deutschen Markt. Damit stand er in bester Tradition seiner Vorgänger. Zwar motorisierte der von Professor Porsche entwickelte „Volksschlepper“ die Massen nicht im ursprünglich projektierten Umfang, doch mischte er den Markt in Form des Allgaier AP 17 ab 1950 als Preisbrecher auf.

Bereits 1952 trug die Zusammenarbeit zwischen Allgaier und Porsche weitere Früchte: Der 12 PS starke Allgaier A 111 kam nicht nur vor vielen Wettbewerbern auf den Markt, er wurde anfangs auch für äußerst günstige 3.800 DM angeboten.

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Rassiges Rundstück - Text und Fotos: K. Tietgens
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