Der König der 05er-Serie

Er ist das Spitzenmodell der 05er-Serie mit einem Sechszylinder-Direkteinspritzer unter der Haube. Der D 90 05 A von Gerd Hentschel ist eine besondere Rarität: Erstbesitzer war das Kölner Deutzwerk! Von Peter Böhlke

Geräuschlose Stille rauscht in den Ohren. Gerd Hentschel hat soeben den luftgekühlten Sechszylinder abgestellt. Der Sound des D 90 05 A ist ein Widerspruch, eine Gewissensprüfung: Die Lautstärke ist ohrenbetäubend, der Klang ein Genuss. Für einen leidenschaftlichen Traktoristen ein Konflikt zwischen Gefühl und Vernunft. Ein Spagat zwischen Hörgenuss und Gehörschaden. Das Aufsetzen eines Gehörschutzes ist obligatorisch, eigentlich. Hentschel hat seine Mickey Mouse über die Querstrebe des Überrollbügels gestülpt. Ab und zu muss er sich den Lärm ganz ungefiltert geben.
Der Bankangestellte fährt mit dem Handrücken über die Stirn: „Das Arbeiten mit dem Deutz ist anstrengend!“ Der Nebenerwerbslandwirt ist gerade vom Pflügen herein gekommen. Nach jeder Bahn musste der 57-Jährige den Allrad auskuppeln, wenden, den Allrad einkuppeln, am Ende der Bahn den Allrad wieder auskuppeln, wenden, den Allrad wieder einkuppeln und so weiter. Den ganzen Tag lang ging das so. Ganz zu schweigen vom Zwischengas beim Schalten der Gänge.
An den Steilhängen zwischen Westheim, Neudorf und Hesperinghausen muss man nicht unbedingt einen 4x4-Schlepper haben, aber er macht das Leben leichter. Ohne Allrad hätte das Pflügen viel länger gedauert, vielleicht wäre ein Teil der Feldarbeit auch gar nicht zu machen gewesen.
Seine Ausbildung absolvierte Gerd Hentschel bei der Firma Giller, dem Magirus-Deutz-Händler in Marsberg. Dort ging auch sein fünf Jahre jüngerer Bruder Klaus in die Lehre. Während Gerd Hentschel nach zehn Jahren zur Genossenschaftsbank wechselte, arbeitet sein Bruder bis heute bei Giller, im Segment der Iveco-Lkw. Der Vater von Gerd und Klaus war Gast- und Landwirt. Als er 1973 starb, führten die Brüder den Hof im Nebenerwerb weiter. Gerd und Klaus Hentschel sind die letzten im Ort, die noch Borstenvieh halten. „Die 50 Schweine sind unser Hobby“, erzählen die Hesperinghäuser. Auf dem Ackerland bauen sie Raps, Weizen und Gerste an. Für die Feldarbeit steht ein kompletter Maschinenpark unter dem Schleppdach.

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Der König der 05er-Serie (Fotos: M. und P. Böhlke)
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