Raubtier für zuhause

Ein Assistenzschlepper bei fast allem, ein Alleinschlepper im Speziellen: Für Rupert Faltlhauser war der Eicher Puma I/ES 202 ein Traum. Erfüllt hat ihn seine Ehefrau. Zum Nachmachen empfohlen! Von Peter Böhlke

So oan hät i a gean!“ (Hochdeutsch: So einen hätte ich auch gerne!) Diesen Satz sagte Rupert Faltlhauser immer wieder. Jedes Mal, wenn er den Puma I/ES 202
seines Nachbarn sah. Da wohnte der heute 49-Jährige noch im oberbayerischen Holzkirchen. Schlepper brauchte Rupert Faltlhauser damals noch nicht. Das änderte sich, nachdem er den elterlichen Bauernhof in Unterreit übernommen hatte. Zum Hof gehören ein Allrad-Deutz und ein Eicher ED 16. Der Allrad-Antrieb des Deutz ist unentbehrlich in den Wäldern und auf den Feldern rund um den Aschbacher Berg. Auf dem Hof treibt der ED 16 mit seiner Riemenscheibe die Kreissäge an. Obwohl die Maschinenarbeit mit diesen Schleppern abgedeckt ist, blieb der Traum vom Puma.

Senkrechtstart in Frankreich
Was ein Weinbergschlepper auf einem Bauernhof zu leisten vermag, sollte sich zeigen. Aber noch war es nicht so weit. Mit dem Bau von Schmalspurschleppern hatte Eicher 1960 begonnen. Den Anfang der Puma-Serie machte der 28-PS-Typ ­
ES 200 mit 989 Exemplaren. Damals gelang Eicher ein erster Coup in Frankreich. Mit fünf Schmalspur-Prototypen reisten die Bayern im November des Jahres zur Weinbaumesse ins südfranzösische Montpellier. Innerhalb von zwei Tagen notierten die Messe-Vertreter 74 Bestellungen.
Von 1962 bis 1965 kam der verbesserte Puma I/ES 201. 3.131 Schmalspurschlepper dieses Typs konnte Eicher verkaufen. Von 1964 bis 1970 lief der 40 PS starke Puma II (ES 400) in Forstern vom Band, für diesen langen Zeitraum allerdings in der vergleichsweise geringen Stückzahl von 1.171 Einheiten. Ende 1965 brachte Eicher den Puma I/ES 202 heraus. Mit 3.680 Exemplaren brachte er es – innerhalb von fünf Jahren – auf den höchsten Anteil an der Produktion der Schmalspurschlepper aus Forstern.  Der Unterschied des ES 202 zum ES 201 besteht in der von 28 auf 30 PS gesteigerten Leistung, einem neuen Design der Motorhaube, einer unterschiedlichen Bedienung der Lenkbremse und einem längeren Radstand.
Zu den original Eicher-Typen kommt noch ein interessanter Spezialfall: Der Pfälzer Eicher-Händler Zickler entwickelte in Eigenregie den ES 202 zu einer kürzeren Variante, indem er die Hinterachs­portale nach vorn drehte. Er ließ diese Schmalspurschlepper auf eigene Rechnung bei Eicher montieren. Im Werk erhielten sie die technische Bezeichnung ­
ES 207. 180 Schlepper, verteilt auf zwei Baulose, verkaufte der Pfälzer.
1970 beendete Eicher die Produktion der Puma-Serie und ersetzte sie im kommenden Jahr durch eine neue, wahlweise mit Allradantrieb lieferbare Baureihe.

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Raubtier für zuhause (Fotos: M. und P. Böhlke)
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