Museumsporträt

Auf der Augenweide: Museum Pauenhof

In neun Hallen und auf zehn Hektar Außengelände zeigt das Museum Pauenhof über 400 Traktoren. Und ständig kommen neue hinzu. Birthe Rosenau war für Sie dort!

Mit acht Jahren fuhr Norbert Stapper erstmals mit einem Traktor allein zum Feld. © Birthe Rosenau
Mit acht Jahren fuhr Norbert Stapper erstmals mit einem Traktor allein zum Feld.

Einmal im Jahr ist Großreinemachen im Traktorenmuseum Pauenhof am Niederrhein angesagt. Um die neun Ausstellungshallen zu reinigen, fährt Norbert Stapper jeden Traktor einzeln nach draußen. „Nur drei verweigern ihren Dienst“, sagt der gelernte Energieanlagen-Elektroniker und fügt hinzu: „Manche haben noch den Sprit von vor 40 Jahren im Tank – und springen tadellos an.“ 1999 hat er das nach eigenen Angaben größte Traktoren und Landtechnikmuseum Deutschlands von Johannes Troost übernommen. Aus über 400 Schleppern der Baujahre 1924 bis 1986 besteht die Sammlung.

Wer durch die Hallen am Rande des Traktorenmuseum Pauenhof streift, wird auf der Suche nach „seinem“ Traktor mit Sicherheit fündig. Dicht an dicht reihen sich dort die Schlepper. Sortiert nach Fabrikaten und Baujahr. Dazu gehören Traktoren aus der Pionierzeit wie Lanz Bulldogs, Hanomag-Schlepper und alte Deutz-Traktoren. Das älteste Exponat ist ein Fordson, Baujahr 1924. Der Vierzylinder mit 20 PS und 1.410 Kilo ist wie die meisten Traktoren aus dieser Zeit ein Benziner und springt ohne Murren an. „Allerdings geht man da kaputt drauf“, sagt Norbert Stapper lachend, „besonders auf dem mit den Stollen“, verweist er auf ein nur zwei Jahre jüngeres Modell.

Exotische Schlepper

Sein persönlicher Favorit ist ein Lanz- Bulldog, Baujahr 1951: „Mit dem Glühkopfboliden über Land zu fahren ist einfach nur schön. Man fällt auf. Allein dadurch, dass er so einen Krach macht“, sagt Stapper. Optische Exoten zwischen den zumeist grün, blau oder rot lackierten Traktoren sind die wenigen weißen Schlepper wie der Lamborghini, den Stapper einem Niederländer abgekauft hat. „Da die Holländer nie eine eigene Traktorproduktion hatten, findet man dort viele Modelle aus Italien, Frankreich, Großbritannien und den USA“, erklärt er. Besondere Exponate sind auch einer der ersten Flughafenschlepper aus dem Jahr 1960 und eine neun PS starke Primus Diesel Zugmaschine von 1934.

Eilbulldog gesucht

Den richtigen Zeitpunkt, um an bestimmte Fahrzeuge zu gelangen, kennt Norbert Stapper genau: „Immer dann, wenn sie zu alt zum Arbeiten sind, aber noch zu jung zum Sammeln.“ Sein Vorgänger Johannes Troost hat diesen Zeitpunkt beim Eilbulldog scheinbar verpasst. DasFlaggschiff der Lanz-Flotte steht seit langem auf Stappers Wunschliste. „Allerdings bin ich nicht bereit, 120.000 Euro für einen Schrotthaufen auszugeben“, sagt er.

So fing alles an

1988 gab Johannes Troost seinen auf Ferkelaufzucht spezialisierten Agrarbetrieb auf. Zwei Jahre lang baute er den Pauenhof um, ehe er das Museum mit hundert Traktoren eröffnete. Angefangen hatte alles bereits gut zehn Jahre zuvor. Damals rettete Troost einen alten Hanomag vor der Schrottpresse. Heute sind es weit über 400 Fahrzeuge.

Hinzu kommen noch einmal genauso viele Landmaschinen: vom Kleingerät bis zum Mähdrescher. „Viele kommen mit ihren Enkelkindern regelmäßig zum Traktorfahren“, erzählt er. Denn Kinder dürfen im vier Hektar großen Park auf einem der Deutz-Schlepper fahren. Wenn ein Erwachsener mitfährt. Auch Norbert Stapper ist mit Traktoren groß geworden. „Ich war acht Jahre alt als ich das erste Mal allein zum Feld fuhr“, erinnert er sich. Der Vorgänger dieses Deutz D 6206 steht mittlerweile ebenfalls im Museum. So gibt es immer Neues in der Sammlung, immer wieder wird rangiert und umgeparkt. Seiner Sammelwut sind so schnell keine Grenzen gesetzt: „Wenn es in den Hallen zu eng wird, bauen wir einfach eine neue“.

Info, Kontakt, Öffnungszeiten

Traktorenmuseum Pauenhof, Norbert Stapper 
Balberger Straße 72, 47665 Sonsbeck 
Tel. (02838) 22 71 
www.traktorenmuseum-pauenhof.de 
Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Montags nur nach Anmeldung. 
Eintritt: Kinder (bis 16 J.) 3 Euro, Erwachsene 5 Euro, Familien (2 Erw. u. 2 Kinder) 13 Euro 
Bewirtung im großen Restaurant auf Anfrage
Text und Fotos: Birthe Rosenau
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