Sternstunde

Als Mercedes 1972 seinen MB-trac enthüllte, hielt die Traktorwelt den Atem an. Was hatte eine fahrende Telefonzelle auf dem Acker zu suchen? Der Verkaufserfolg ließ dennoch nicht lange auf sich warten, denn unter der extravaganten Schale verbarg sich ein überaus solider Kern.

Ausgerechnet Mercedes! Ausgerechnet jenes Unternehmen, das in der Nachkriegszeit sinnbildlich für gediegene, technisch hochwertige, aber erzkonservative Automobile und zweckmäßige Nutzfahrzeuge stand, wich plötzlich von seinem gewohnten Kurs ab – und präsentierte auf der DLG-Wanderausstellung in Hannover Ende Mai 1972 einen Ackerschlepper, den die Welt noch nicht gesehen hatte.

Was war das? Eine fahrende Telefonzelle? Ein UFO, das versehentlich auf einer Landtechnikmesse gelandet war? Wer am Erfolg des Unterfangens zweifelte, hatte vermutlich eines vergessen: Bereits einmal hatte der Stuttgarter Weltkonzern Mut bewiesen und war dafür vom Publikum belohnt worden, und zwar mit der Übernahme des Unimog von der Firma Böhringer im Jahre 1951.

Auch dieses Fahrzeug hatte einst mit sämtlichen Konventionen gebrochen – und mittlerweile in über 150.000 Exemplaren die entlegensten Winkel unseres Planeten erobert. Ursprünglich als landwirtschaftliches Nutzfahrzeug entworfen, hatte sich das Mul­titalent vor allem in der Bau- und Kommunalwirtschaft sowie beim Militär durchgesetzt, während es auf Hof und Acker unübersehbare Nachteile zeigte:

Die Sitzposition vorne links erschwerte die Übersicht auf Anbaugeräte, die Räder waren arg klein, und das vollgefederte Fahrwerk ermöglichte zwar hohe Geschwindigkeiten, war aber für viele Einsätze – wenn nicht hinderlich – zumindest unnötig und vor allem unnötig teuer.

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Sternstunde Mercedes MB-trac - Fotos: K. Tietgens
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