Schweizer Klasse

Franz Holznienkemper, Sammler und Kenner der Marke Hürlimann, erläutert den Aufstieg und die Glanzzeit der Wiler Firma anhand seiner Modelle D 100, D 70 und D 50.

Echte Westfalen sind immer speziell, denn jemanden als verrückt zu bezeichnen, ist ja eher eine unhöfliche Beleidigung. Das gilt aber nicht für Franz Holznienkemper aus Oelde-Stromberg, der sich selbst verrückt nennt – „Hürlimann-verrückt“. Bereits seit nunmehr fast 20 Jahren schlägt sein Treckerherz für die Schweizer Präzisionsarbeit, und aus einer Zufallsbekanntschaft hat sich eine kleine, aber ausgesuchte Sammlung entwickelt. Im Jahr 1992 hatte der heute 59-Jährige gerade einen 15er-Deutz restauriert, und damit sollte eigentlich auch alles gemacht sein – ein Traktorklassiker und keine weiteren. Doch bald darauf, bei einem Urlaub auf Malta, kam der Franz mit Stefan Stalder aus Luzern ins Gespräch und nur zufällig wurde auch über Trecker geredet.

Tauschgeschäft
Schon im nächsten Jahr, als der Schweizer ihn in Deutschland besuchte, verguckte der sich in den Deutz und wollte ihn haben. Für den Westfalen aber kam es nicht in Frage, sich von seinem mühsam restaurierten Schatz zu trennen. Da hatte er aber nicht mit der Hartnäckigkeit des Alpenländlers gerechnet, denn auch die Eidgenossen sind nun einmal stur. Ein weiteres Jahr darauf machte der Stefan Stalder dem Franz Holznienkemper ein Angebot, das dieser nicht ablehnen konnte. Ein Hürlimann D 70 SSP, der auf dem elterlichen Hof in Großwangen ausgemustert in der Scheune parkte, wechselte im Tausch auf Gegenseitigkeit nach Oelde – und die Verrücktheit nahm ihren Lauf. „Hürlimann-Franz“ war geboren.

Auf die Frage, was denn nun das Besondere am Mythos Hürlimann sein soll, zuckt der heutige Fachmann nur mit den Schultern und fragt sich selbst versonnen: „Wo soll ich da bloß anfangen?“ Dann zeigt er auf sein Triumvirat, und schon von Weitem wird deutlich, warum die Marke unter Landwirten als „Rolls Royce des Ackers“ bezeichnet wird. Haube und Kühlergrill sind automobilähnlich gestaltet und mit leistungsfähigen Scheinwerfern ausgestattet. Hürlimann ließ die Plexigläser für die außergewöhnlich großen Lampentöpfe mit ­Lichtaustritten von 195 Millimetern Durchmesser eigens fertigen. Die Originale waren ­zeitweise sogar mit firmeneigenem Schriftzug versehen.

Ein solches – nachgefertigtes – Exemplar konnte sich Franz noch 2009 von Hans Hürlimann jr. schicken lassen, der hinzufügte, die Formen seien mittlerweile recht ausgelutscht. Eine neue Form würde aber wohl nicht erstellt werden, da sie 7.000 Franken koste.

Der Ursprung der Marke liegt im Jahr 1929, als das Unternehmen von Hans Hürlimann (sen.) im Ort Wil im Kanton St. Gallen gegründet wurde. Spätestens seit den frühen Nachkriegsjahren stand die Marke wie keine zweite in der Schweiz für Qualität und Innovation, mehr noch als die Konkurrenten wie Bührer, Bucher oder Meili. Dies kann neben der makellosen Verarbeitung auch darauf zurückgeführt werden, dass der D 100 seine Leistung von 45 PS aus einem seinerzeit hochmodernen Reihenvierzylinder eigener Fertigung generierte.

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